Ich bin eine Umweltsau

Veröffentlicht von DeHejner am

Ich fahre ein Auto, ich esse Fleisch, ich mag tierische Produkte, ich benutze Plastik und ich fliege mit dem Flugzeug. Ich bin eine Umweltsau!

Or am I?

Gehen wir meine obige Aufzählung noch einmal im Detail durch. Ja, ich fahre Auto. Wir haben sogar zwei Autos in der Familie um genau zu sein. Einen sogenannten Kombi in welchen zwei Kindersitze für die Zwillinge passen und noch genug Kofferraum, um die restlichen Utensilien einzupacken. Dazu einen Kleinstwagen für mich allein, um auf die Arbeit zu kommen. Warum ich nicht mit Offis fahre? Weil der Ort, in welchem wir wohnen eine (!) Busanbindung an einen Bahnhof hat, zu welchem einmal pro Stunde ein Zug fährt, der länger brauch als ich mit dem Auto insgesamt unterwegs bin. Zeitverlust pro Tag rund zwei Stunden. Fahre ich mit dem Rad? Ja, wenn das Wetter passt. Sprich gut vier bis fünf Monate im Jahr radle ich die neunzehn Kilometer und lasse im Sommer das Auto nahezu immer stehen.

Ich esse Fleisch. Ja, aber wenn dann wenig. Wenn dann regional. Wenn dann von guter Qualität und dann gerne auch Nose to Tail. Für mich ist es wichtig, dass ich weiß wo mein Fleisch herkommt und hier bin ich sehr froh um den Hofladen direkt gegenüber mit eigener Schlachtung von Schweinen, Hühnern und Gänsen. Ist das Bio? Nein, aber ich kann die Schweine besuchen, ich kann sie anschauen und streicheln. Sie sehen nicht aus wenn sie leiden würden. Aber der Hof hat keine Bio Zertifizierung, weil diese ein Schweingeld kostet und er sicherlich nicht alle Voraussetzung erfüllen könnte. Dafür geht mein Geld direkt an ihn ohne große Umwege über (Groß-)Händler und somit in eine gute Tierhaltung. Das gleiche bei seinen Hühnern, die wir zumeist als ganzes kaufen und selbst zerlegen. Daraus gibt es dann Brust, Keulen und Suppen und nur die Knochen werden weggeworfen. Auch Rindfleisch kommt aus direkt von den Weiden um unser Haus herum, wo das Rote Höhenrindvieh ganzjährig frei herumlaufen kann und direkt über den Hofladen vermarktet wird. Das gilt für mich. Meine Kinder sind noch eine kleine Ausnahme, da sie auch gerne Wurst essen, die es im Hofladen so nicht gibt. Lediglich beim Fisch sind wir noch auf den Einkauf aus der Fischtheke im Supermarkt angewiesen und hoffen hier auf eine nachhaltige Zucht.

Ich mag tierische Produkte und ich esse viel davon. Ich esse Honig aus den kleinen privaten Imkereien aus der Region, die auf den Festen im Sommer verkauft werden. Wir essen Eier zu neunzig Prozent von unseren eigenen Hühnern, die bei uns im Garten sich frei bewegen dürfen. Die Alternative wäre die Eier wegzuwerfen, was sicherlich nicht im veganen Sinne wäre. Wir essen Jogurt. Ja, das ist eine Schwachstelle. Wir kaufen diesen zwar ausschließlich mit Bio Siegel, aber hier gibt es definitiv eine Möglichkeit zur Verbesserung. Alternativen wie Sojajogurt haben wir schon probiert, es aber aufgrund des Preises bisher noch nicht vollständig umgesetzt. Außerdem mögen unsere Kindern den Geschmack des Soja (noch) nicht. Bei der Milch ist es aktuell das gleiche, ich für meinen Teil mache am Wochenende meinen Porridge mit Sojamilch, aber die Kinder wollen ihren Kakao (noch) mit Kuhmilch. Tja und dann gibt es da noch den Käse. Wenn möglich aus dem Käseladen auch wenn es dort keine Bio Schildchen gibt, so hoffen wir, dass die dort ausgewählten Käse aus gutem Handwerk kommen. Für diejenigen, die wir im Supermarkt kaufen gilt entweder aus regionaler Herstellung (Handkäs) oder mit einem Bio Etikett.

Essen wir viel davon? Sicherlich nicht. Eine Scheibe Käse zur Mahlzeit. Einmal pro Woche Fleisch, Wurst ein wenig öfter aber auch dann eine Scheibe Kochschinken zur Ausgewählten Mahlzeit. Eier, dann wenn verfügbar – gekocht. Honig am Wochenende. Aber Jogurt, den gibt es täglich ca. 200g. Was wir viel essen ist regionales und saisonales Gemüse zumeist aus dem Hofladen gegenüber. Außerdem Brot, Nudeln und Couscous (bzw. Hirse, Bulgur, etc.) sowie Linsen und Bohnen. Es ist toll, was man hier alles variieren kann und es macht richtig Spaß die neuen Möglichkeiten zu entdecken.

Habe ich was vergessen? Sicherlich. Schokolade fällt mir ein bei welcher wir (noch) nicht auf Bio oder Fair Trade achten. Das liegt aber auch etwas an dem Geschmack unserer Kinder. Vielleicht wird sich das ja ändern.

Ich bin ein Plastikschwein!

Wir haben aus der Vergangenheit viel Plastik einer bekannten Marke, die für den Verkauf über Partys bekannt ist. Die meisten Dinge sind so haltbar, dass wir vor gut zehn Jahren, die letzten Sachen angeschafft haben und seit dem auf dem Bestand leben. Es gibt es auch keinen Grund, warum wir dies aus dem Haus verbannen sollten. Auch mit Kindern ist es praktisch, dass es Dinge aus Kunststoff gibt, die nicht sofort kaputt gehen, wenn sie mal auf den Boden fallen. Das Bambus keine Alternative ist, haben wir vor kurzem schmerzlich erfahren dürfen. Dennoch, je älter die Kinder werden, desto weniger Plastik kommt täglich zum Einsatz. Teller, Tassen und Gläser sind schon ausgetauscht, für Kühlschrank und Gefriertruhe sowie Lunchboxen setzen wir allerdings weiterhin auf den guten Kunststoff. Werden wir diesen ersetzen, wenn seine Funktion mal beeinträchtigt ist. Nun aktuell ist es so, dass wir kaum bis keine Neuanschaffungen haben und wenn dann auf qualitative Dinge setzen, die etwas nachhaltiger sind. Sind wir hierbei noch in einem Lernprozess? Aber ganz sicher! Leider wird gerade auf diesem Gebiet unter dem Stichwort Nachhaltigkeit viel scheinbar Gutes verkauft, was in echt aber riesen Mist ist. Aber wir brauchen ja auch noch ein paar Dingen bei denen wir lernen können und dann leider zwei oder dreimal kaufen bevor wir kapieren worauf man achten darf.

Ich reise mit dem Flugzeug!

Beruflich bin ich im letzten Jahr mit dem Flugzeug unterwegs gewesen. Wie sollte ich sonst nach Sankt Petersburg in time kommen? Und manchmal ist es wichtig, sich wirklich real gegenüber zu stehen und zu reden. Das kann keine Telefonkonferenz einem abnehmen. Ob wir das in Zukunft reduzieren können, werden wir sehen, wenn wir in den nächsten Tagen die Videokonferenzräume meines Arbeitgebers ausprobieren. Aber es wird trotzdem ab und an notwendig sein zu fliegen. Wir sind auch mit der großen Fähre in Urlaub gefahren. Von Amsterdam nach Newcastle upon Tyne. Das war unsere Alternative zum Fliegen mit der ganzen Familie. Ob es notwendig war eine Rundreise durch Schottland mit dem Auto zu machen und mit der Fähre dorthin zu fahren, darf man gerne in Frage stellen. Aber nach Urlaub an der Ostsee und dem Schwarzwald, wollten wir den Kindern mal etwas anderes zeigen. Dieses Jahr geht es in den Bayrischen Wald und ich denke das ist eine gute Mischung. Bestimmt werden wir auch mal nach Italien, Griechenland oder Frankreich fahren – wenn die Franzosen endlich deutsch gelernt haben *zwinker*.

Genug ist Genug!

Sicherlich noch nicht. Wie bereits geschrieben, werden wir an unserem Milchproduktekonsum arbeiten und hier vermehrt auf pflanzliche Produkte umstellen. Das restliche Essen ist an vielen Tagen schon komplett vegetarisch oder gar vegan und schmeckt einfach super. Wir haben in puncto Nachhaltigkeit in diesem Jahr eine Solaranlage angeschafft und versuchen die notwendigen Stromfresser dann einzuschalten, wenn wir den Strom gerade selbst produzieren. Wir trinken seit Jahren Leitungswasser und verzichten nahezu komplett auf Softdrinks – Ausnahmen auch hier wieder die Kinder, die ab und an einen Fruchtsaft bekommen. Wir sind innerorts nahezu nur noch zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Wir achten auf unser Kleidung und vor allem auf den Konsum dort. Dinge werden bei uns meist repariert sofern dies möglich ist oder eben auch getragen, wenn sie schon das eine oder andere Löchelchen haben. Wen stört das bei meinen T-Shirts, wenn diese eh in der Hose stecken.

Es gibt sicherlich Menschen, die uns in vielen Punkten schon weiter voraus sind. Wir sind weit entfernt von Zero Waste. Wir leben nicht vegan und werden dies aus einigen Gründen auch nie komplett tun. Wir leben nicht emissionsfrei. Und es gibt bestimmt Menschen, die viel weniger Wasser und Strom verbrauchen als wir. Aber wir geben uns Mühe und wir wissen warum und wofür wir uns hier gerade ändern. Wenn du noch Anregungen und Tipps hast, was du besser machst oder was wir noch anders machen könnten, kontaktiere uns gerne auf Twitter, Facebook oder hier in den Kommentaren.


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