40. Koberstädter Waldmarathon – Mein erster Marathon!

Veröffentlicht von DeHejner am

„Sie haben sich für einen Marathon mit Anstiegen angemeldet? Sie Idiot.“
(Don Kardong)

Vor circa drei Monaten habe ich die Entscheidung getroffen, mich für meinen ersten Marathon anzumelden. Und das war gut so. Ich hatte ziemlich genau zehn Wochen Zeit mit einem kleinen mehr oder weniger selbst gebauten Trainingsplan dies zu einem guten Abschluss zu bringen. Da ich ja sowieso meist um die 70 bis 90 Kilometer pro Woche gelaufen bin, war die einhellige Meinung: Das schaffst du ja locker! Aber war es denn auch so?

Vorbereitung

Da ich vor der Distanz dann doch einen großen Respekt hatte, wollte ich ein wenig auf Nummer sicher gehen und suchte mir diverse Pläne für Marathon in zehn Wochen und Marathon in unter vier Stunden zusammen. Aus diesem Mix erstellte ich mir dann meinen eigenen Plan, der auch in meine Arbeits- und Familienwoche passte. Ankommen (ohne Gehpause) war mein Ziel. Unter vier Stunden war mein Wunsch. Zehn Wochen lang konnte man meine Aktivitäten auf Strava verfolgen. Von W1 -T2 – Ruhetag bis W10 T5 – Bike2Work – ich habe Steigerungsläufe kennengelernt, ich habe 3x5km Intervalle durchgezogen und ich habe einige lange Dauerläufe gemacht. Im Training war alles easy as pie. Durch das tolle Wetter und meine flexiblen Arbeitszeiten war es richtig gut möglich so gut wie alle Läufe in den frühen Morgenstunden zu erledigen. Ich fühlte mich gut vorbereitet!

Vielen lieben Dank an die komplette Twittergemeinschaft des #twitterlauftreff für die nützlichen Tipps und vor allem für die guten Wünsche und Gedanken, die ihr mir auf den Weg mit gegeben habt!

Race Day

Am Morgen des 26. August 2018 kletterte ich um 05:30 aus dem Bett. Einen schnellen Porridge zum Frühstück, eine halbe Kanne Tee in mich rein gekippt und dann auch schon ins Auto und ab nach Egelsbach. Unterwegs glaubte ich meinen Augen kurz nicht zu trauen, standen doch 6 Grad auf dem Thermometer. Gut, dass ich mich für eine Kombination aus Kompressionsstrümpfen, kurzer Hose, Longsleeve und meinem #RunningWithTwins Shirt entschieden hatte. Auch mein gelbes Bandana durfte bei diesen Temperaturen nicht fehlen. Am Ort des Geschehens angekommen, wuselte es schon aus allen Ecken. Alles war leicht zu finden, Startnummer abgeholt, mit meinen Magneten am Trikot befestigt und dann noch ein paar Nudeln vom Vortag als zweites Frühstück. Letzter Gang auf stille Örtchen und dann war es auch schon Zeit in Richtung Start zu gehen. Dort war ein recht ungewöhnliches Bild, denn normalerweise drängen sich alle an der Startlinie. Nicht so hier – hier standen alle verteilt in der Gegend rum, viele rieben sich die Hände und zappelten, denn es war immer noch sehr frisch (rund 10 Grad laut Wetter App). Als es dann noch eine Minute zum Start war, gab es dann doch so etwas wie eine Startlinie, aber kein dichtes Gedränge der 133 Läufer(innen) – sehr angenehm für mich!

Peng! Los geht’s!

08:01 Uhr Startschuss! In gutem Tempo trabte ich los und wollte erst einmal ein wenig auf Betriebstemperatur kommen, aber wie aus den Trainings meinen Puls nicht zu hoch zu treiben. Im Kopf immer noch das unter vier Stunden ging es auf die ersten Kilometer und die ersten Höhenmeter. Aus meinen Bergläufen bin ich zwar sonst anderes gewohnt, aber lange Geraden mit sanften Steigungen können auch richtig fies sein. Vor allem wenn darauf lange Geraden mit leichtem Gefälle folgen. Man kann es fast mit einem Lauf über etliche Autobahnbrücken vergleichen. Die ersten zehn Kilometer vergingen wie im Flug, konnte bequem meinen Müsliriegel bei Kilometer neun futtern und lief ein gutes, ruhiges und gleichmäßiges Tempo. Der Boden war gut, an wenigen Stellen etwas grob Schotterig aber alles im grünen Bereich. Die Luft und Temperatur war perfekt und passte zu meiner gewählten Kleidung. Die wenigen Menschen auf der Strecke waren genau mein Ding. Eigentlich alles toll, toll, toll. Die nächsten Kilometer rutschen auch so durch, es machte richtig Spaß. Bei Kilometer 20 merkte ich dann plötzlich einen leichten Widerstand in den Oberschenkeln, der sich anfühlte wie ein Muskelkater. Völlig überrascht, reduzierte ich leicht das Tempo und schaute, dass ich die Stellen etwas entlaste. Bei Kilometer 25 merkte ich, dass es nicht besser wurde und stellte mich mental darauf ein, die Schmerzen bis ins Ziel mit nehmen zu dürfen. So alle 5 Kilometer wurden diese ein wenig stärker. Aber ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass ich eigentlich kaum Zeit dadurch verloren hatte. Also weiter mit einer anderen Taktik: Schmerz ausblenden! Ich konzentrierte mich auf die Landschaft, scherzte mit den netten Menschen an den Verpflegungspunkten – wenn es nächste Jahr dort Lewwerworscht und Prosecco gibt, habt ihr mir das zu verdanken! Ich motivierte die Halbamarathonläufer(innen), die mittlerweile auf die Strecke dazu gekommen waren und hörte mir liebe Sprüche an wie: Das ist ja schon frech, was du hier machst, an uns vorbeilaufen als wärst du gerade aus der Dusche gekommen und das mit so kleinen Schritten! Läufst du hier mit oder gehst du spazieren?! Und es stimmte, vom Puls und der Kondition war alles perfekt. Was keiner wusste, dass die linke Hand, die zur Faust geballt war, dazu diente von meinen Schmerzen abzulenken.

„All die Wissenschaft kann nicht ermitteln, wie gut der Geist in der Lage ist, im Rennen den Schmerz auszuhalten. Manchmal gibt es diese Tage, an denen ich weiß: Heute kann ich sterben.“
(Gelindo Bordin, Marathon-Olympiasieger 1988)

Kilometer 35 – oder wie meine Schwester zu sagen pflegte: Dann sind es ja nur noch 7 Kilometer! Ja, die können aber echt lang sein. Normalerweise sind das rund 35 Minuten, aber Zeit ist ja relativ. An diesem Tag waren das sehr lange 35 Minuten. Ein Fahrrad kam an mir vorbei mit einem Schild und einem Fähnchen am Gepäckträger. Die erste Marathonfrau mit ihrem Begleitläufer überholte mich.

Noch sechs Kilometer. Die Sonne war mittlerweile an einigen Ecken im Wald zu sehen und hatte zumindest etwas für Wärme gesorgt.

Noch fünf Kilometer. Wir sind mittlerweile vom Rundkurs runter und ich hatte einen Wegweiser mit der Aufschrift „Ziel“ gesehen.

Noch vier Kilometer. Meine Oberschenkel taten immer noch weh.

Noch dreieinhalb Kilometer! Aufgeben war jetzt keine Option mehr.

Noch drei Kilometer. Ab auf die letzte Brücke, der Gedanke meine Familie gleich im Ziel zu sehen, gab mir seit langer Zeit Kraft.

Noch zwei Kilometer. Es ging wieder auf Asphalt, in der Ferne hörte ich schon die Ansagen des Stadionsprechers.

Noch ein Kilometer. Absperrungen, Bänder, Menschen, Emotionen!

Noch einen halben Kilometer. Bald geht es rein ins Station. Beim Einlaufen auf die Tartanbahn sah ich Elke mit ihrem Mann stehen und winken. Irgendwas hatte sie mir zugerufen…

Noch 100 Meter. Ich hatte meine Familie entdeckt und trabte in deren Richtung. Zeit war egal. Unter vier Stunden waren drin, Ankommen war drin. Ich stoppte kurz bei ihnen, packe meine beiden Kinder auf den Arm und der schnelle Papa flitze mit ihnen über die Ziellinie.

Geschafft!

Ich habe es tatsächlich geschafft. Ich bin angekommen. Ich musste nicht anhalten. Mit drei Stunden vierundvierzig Minuten und sieben Sekunden bin ich nach 42,195 Kilometern und rund 530 Höhenmetern ins Ziel gekommen.

Gesamtplatz: 46 (45. bei den männlichen Starten, insgesamt 133)
Altersklasse (M40): 10 (von 18)
Offizielle Zeit: 3:44:07
Pace: 5:17 min/km
HF: 141 ∅
Höhenmeter: 536
Kalorien: 2500

Meinen Lauf auf Polar verfolgen

Meinen Lauf auf Strava ansehen: W10 T7 – Finale!

— Höhenprofil —

Resümee

Pain is temporary. Pride is forever.

Für den ersten Marathon war der Koberstädter vielleicht nicht der ideale Einstieg. Mit seinen Höhenmetern hat er mir scheinbar doch etwas mehr zu schaffen gemacht, als ich dachte. Aber die wenigen Menschen auf der Strecke, das angenehme Klima am Start und Ziel, die Uhrzeit und alles andere drumherum haben mich meine Entscheidung für diesen Lauf nicht bereuen lassen. Die Beine schmerzen nur noch leicht, das wird vergehen. Die Erinnerung wird bleiben und die war toll, einfach nur toll! Auch die Tatsache, dass meine Familie im Ziel dabei sein konnte und wir dann – zwar etwas hektisch, weil die beiden Kleinen auch aufgeregt waren – gemeinsam zu Mittag gegessen haben, spricht deutlich für diese Veranstaltung. Ob ich nächstes Jahr wieder komme, wir werden sehen. Steht doch nach der Erholungszeit, die meine Uhr mit 6 Tagen und 19 Stunden angesetzt hat, doch gleich mein Triathlon an. Ich werde berichten!


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